Pressemittelung vom 19.04.2008 - Bahnfeuerwehren

Der Anfang und das Ende der Eisenbahn – Feuerwehren in Deutschland (1857 – 1998)

Die Geschichte der Entstehung und Entwicklung der Eisenbahn-Feuerwehren begann 1857 in Deutschland bei Privat- und Länderbahnen sowie in den Eisenbahn-Hauptwerkstätten.  Als Erste wurde die Freiwillige Fabrikfeuerwehr in der Königlich Württembergischen Eisenbahn-Werkstätte Buchhorn (Friedrichshafen) am Bodensee gegründet.

Dem Beispiel der Eisenbahn-Feuerwehr von 1857 folgten:

1861   Siegen
1864   Neumünster
1865   Braunschweig
1870   Fulda
1876   Bw Weiden
1877   weitere 21 Eisenbahn-Feuerwehren in Süd-Deutschland


In der ehemaligen Provinz Sachsen wurde die Eisenbahnfeuerwehr der Hauptwerkstätten Stendal (1900), Magdeburg-Salbke (1904), Halle /Saale (1917), Dessau (1934) und Halberstadt (1934) gegründet. Erste Löschgeräte waren vierrädige Handdruckspritzen und  zweirädige Hydranten-Schlauchkarren sowie fahrbare Rettungsleitern (12 m) auf Holzräder. Mit der Verstaatlichung der Eisenbahnen in Preussen (1913) und Hessen wurden diese Feuerwehren auf Fahrstrecken und Bahnhöfen eingesetzt.

Die staatlichen Eisenbahnen haben in Ihrer Geschichte ihre Bezeichnungen wie Deutsche Reichsbahn, Deutsche Reichsbahngesellschaft, Eisenbahnen der Alliierten (Interzonenzüge) sowie Deutsche Bundesbahn und Deutsche Reichsbahn gewechselt, doch der betriebliche Brandschutz und die Gefahrenabwehr auf Eisenbahnstrecken das haben sie sich nicht nehmen lassen. Das war auch zu Zeiten der Deutschen Reichsbahn in der DDR und der Deutschen Bundesbahn vor der Vereinigung beider deutschen Eisenbahnen im Jahr 1994 zur Deutschen Bahn AG so. Immerhin bestanden zu diesem Zeitpunkt 82 Bahnfeuerwehren in Deutschland. Doch mit der Bahnstrukturreform der Deutschen Bahn AG verschwanden diese Bahnfeuerwehren aus der Landschaft.

So erging es auch den Feuerwehren in den Reichsbahn Ausbessungswerken in unserem Sachsen-Anhalt, im Sprachgebrauch noch bei uns als RAW Feuerwehren bekannt. Im Bereich der ehemaligen Reichsbahndirektionen Halle und Magdeburg kam das große „Aus“ am 31.12.1996. Ein Grund mehr in der Geschichte der Eisenbahnfeuerwehr zu schauen, denn immerhin waren diese Feuerwehren in Ost wie West für Bahnunfälle gut gerüstet und auch eine starke Unterstützung der kommunalen Feuerwehren im gemeinsamen Einsatz. Die letzten sogenannten Eisenbahnfeuerwehren wurden 1998 abgewickelt, wie das Beispiel der Bahnfeuerwehr in Würzburg und Hannover. 

Seit drei Jahren haben sich die Feuerwehrhistoriker aus Stendal und ehem. Mitglieder der RAW – Feuerwehr Stendal sich diesem Thema gewidmet und über die gesamte Geschichte geforscht und gesammelt. Partner wurden in Süd- und Norddeutschland sowie den ehemaligen Reichsbahndirektionen Magdeburg und  Halle gefunden. Und nun ist es soweit, am Samstag den 19.04.2008 wurde eine Sonderausstellung über die Eisenbahn-Feuerwehren in Deutschland im Landesfeuerwehrmuseum Sachsen-Anhalt eröffnet.

An diesem Tage ehemalige Feuerwehrkameraden der Bahnfeuerwehren aus Deutschland und es wurde gefachsimpelt und in alten Erinnerungen geschwärmt. Der Leiter des Feuerwehrmuseums Hauptbrandmeister Michael Schneider (52 Jahre) gab einen geschichtlichen Abriss zu den Bahnfeuerwehren von 1857 -1998 und würdigte die Leistungen der Bahnfeuerwehren von damals und in West und Ost, denn deren Ziele und Inhalte waren gleich. Dies bestätigte der ehemalige Leiter der Bahnfeuerwehr aus Würzburg Herr Scheuermann und der ehemalige Brandschutzinspektor der Reichsbahndirektion Magdeburg Reichsbahnrat Heinz Kreibich. Originale Filme aus den 60i-ger und 70i-ger Jahren die für Ausbildungszwecke bei der Deutschen Reichsbahn in der DDR verwendet wurden und heute zum Museumsbestand des Feuerwehrmuseums in Stendal gehören wurden gezeigt.

In Ehre und Gedenken aller Bahnfeuerwehren in Deutschland wurde eine Gedenktafel für die RAW – Feuerwehr Stendal (1900 – 1996) gestiftet, die auf die Gründung und das Aus dieser Bahnfeuerwehr hinweist. Schneider sagt, dies geschieht als Dank, da die Bahnfeuerwehren den kommunalen Brandschutz und die Freiwilligen Feuerwehren im Einsatz auch außerhalb ihrer zentralen Werkstätten unterstützt haben, oder in den zwei Weltkriegen ihr Leben lassen mussten, als sie an die Front gerufen wurden.

Die Sonderausstellung beinhaltet in ihrem Inhalt und Umfang die Zeitgeschichte der Bahnfeuerwehren in Wort und Bild. Ausrüstungen, Fw-Bekleidungen und vieles mehr erinnert an diese Zeit als es sie noch gab. Zu sehen sind in der einzigartigen Ausstellung auch Feuerlösch- und Rettungszüge in Miniaturform sowie ein nachgestellter Bahnunfall auf einer Modellplatte. Erinnert wird auch an schwere Bahnunglücke wie in Langenweddingen, in Eschede oder der Gefahrgutunfal-Eisenbahn am 01.06.1996 in Schönebeck.

Auch Briefmarkenfreunde konnten sich wieder über einen typischen „Stendaler“ Feuerwehr - Ersttagsbrief freuen, der dem Thema der Bahnfeuerwehren gewidmet ist. Gesucht wird im Feuerwehrmuseum aber auch noch eine alte Bahnhofs-Kübelspritze in Kastenform, die meist auf kleinen Bahnhöfen verwendet wurden und von denen es nur Bilder gibt. Des Weiteren ist man in Stendal noch auf der Spurensuche zu der Herkunft eines Mützenabzeichen der Bahn-Feuerwehr, dass im Original vorliegt aber noch nicht zeitlich näher definiert werden konnte.


Landesfeuerwehrmuseum Sachsen-Anhalt