Entwicklung des Feuerlösch- und Brandschutzwesens in der Zeit von 1945 bis 1952 in Ostdeutschland


Am 22. September 2007 trafen sich im Landes-Feuerwehr-Museum Sachsen-Anhalt 40 Feuerwehrhistoriker aus dem Land Sachsen-Anhalt zu einer Fachtagung. Im Mittelpunkt der Fachtagung der Facharbeitsgruppe Feuerwehrhistorik im LFV Sachsen-Anhalt (FAG) stand die aktuelle Aufarbeitung zum Neuanfang der Feuerwehren und des Brandschutzes in der Provinz Sachsen und im Land Sachsen-Anhalt. An der Vorbereitung und Durchführung dieser Thematik haben sich ca. 20 Kameraden aus dem ganzen Land verschiedene Archive und Bibliotheken aufgesucht und über 200 Festschriften der Feuerwehren studiert, um Material über die geschichtliche Entwicklung in dieser Zeit zu dokumentieren. Gemeint ist hier ein über drei Jahre laufendes Projekt der Analyse zur Entwicklung des Feuerlösch- und Brandschutzwesens in der Zeit von 1945 bis 1952 in unserer Region.
 

Vielerorts bestehen heute noch zu den Anfängen der Neuordnung der Feuerwehren während der Besetzung durch amerikanische und englische Einheiten (Mai bis Juni 1945) sowie nach der Besetzung der ehemaligen Provinz Sachsen durch sowjetische Einheiten, die später als Provinz Sachsen und als ein Teil der sowjetischen Besatzungszone wieder entstanden ist, noch Unklarheiten, wie denn die Feuerwehren nach dem 2. WK in unserer Region reorganisiert wurden bzw. die Entnazifizierung in den Feuerwehren stattgefunden hat. Eine besondere Rolle spielte bei der Aufarbeitung von Dokumenten das Wirksamwerden des Provinzial-Brandschutzamtes (Ende 1945) und des Landesbrandschutzamt Sachsen-Anhalt (1947 bis 1950) sowie der wieder bzw. neu eingesetzten Bezirks- und Kreisbrandmeister sowie die Berufung des Provinzial-Branddirektor Otto Müller im Referat Feuerlöschwesen als oberster Feuerwehrführer der Provinz Sachsen. Heute würden wir sagen das war der Provinzial- bzw. Landes-Branddirektor, denn aus der Provinz Sachsen wurde 1947 das Land Sachsen-Anhalt.
 

Heute ist es klar, dass in den Ländern der sowjetischen Besatzungszone, so u. a. in der Provinz Sachsen bzw. im Land Sachsen-Anhalt, regionale bzw. unterschiedliche Entwicklungen zur Neuorganisation des Feuerlösch- und Brandschutzwesen vollzogen haben. Gerade in der Anfangszeit nach der Zerschlagung des Faschismus waren es Kommunalbeamte der Kreise sowie in größeren Städten sowie Kameraden der Feuerwehren und nicht zuletzt Befehle von sowjetischer Seite (SMAD und SMA) aus, die in der Anfangszeit erste Akzente zur Neuorganisation der Feuerwehren setzten. Vielerorts sind diese Anfänge längst vergessen bzw. in der mäßigen „Aufbruchstimmung“ vergessen oder wurden nicht niedergeschrieben, so dass es die einfachste Sache der Welt ist, bei der Findung der Identität der Feuerwehr, im Einzelnen jeder für sich, danach zu suchen, zu forschen bzw. die Stunde „Null“ zu dokumentieren.
 

Fragen und Probleme, die auch nach dieser Fachtagung bestehen sowie der Umgang des Wirkens der Feuerwehren im Nationalsozialismus als „Feuerschutzpolizei“ sowie die Notwendigkeit der Entnazifizierung in einem danach, dürfen heute kein Tabuthema sein. Denn in dieser Zeit gab es in Verwaltungen und Feuerwehren auch sogenannte „Mitläufer“ oder Entscheidungen die dem eigentlichem Wesen der Feuerwehr fremd sind, mit denen wir aber versuchen sollten ordentlich umzugehen bzw. über Sinn und Unsinn, notwendig oder nicht notwendig, von Fall zu Fall zu entscheiden und nicht zu pauschalisieren. Dies belegen z. B. Protokolle von AntiFa-Ausschüsse und Entnazifizierungs-Kommissionen, die ehemalige NSDAP Mitglieder in der Feuerwehr entlastet haben.
 

Die gesammelten Dokumente und Berichte zur Fachtagung werden wir in der Facharbeitsgruppe Feuerwehrhistorik in Sachsen-Anhalt in den nächsten Monaten zusammenfassen und allen Beteiligten an der Fachtagung sowie den Kreisfeuerwehrverbänden und Feuerwehren mit dem Ziel zur Verfügung stellen, dass sie diese umfangreichen Dokumente und Erkenntnisse nutzen und publizieren können, sofern keine eigenen Materialien oder Hinweise aus dieser Zeit vorhanden sind. Wir regen aber auch Feuerwehren und Verbände an, sich selbst zu bemühen, um noch Zeitzeugen zu finden, die die Anfangszeit um 1945 beschreiben zu können.
 

 

Das 3-jährige Projekt wurde mit finanziellen Mitteln des MI LSA und des LFV S-A e.V. gefördert. Umso mehr ist es für uns im Landesfeuerwehrmuseum schon sehr wichtig, dass die Auswertung der Ergebnisse und die Fachtagung hier in Stendal stattfanden und auf großes Interesse gestoßen sind. Es war nicht Inhalt der Fachtagung die Chronik für die Feuerwehr X neu zu schreiben, sondern entsprechendes Grundlagenmaterial aus den Landeshauptarchiven bzw. Stadtarchiven und –bibliotheken den Feuerwehren und deren –Verbände zur Verfügung zu stellen.

Anlässlich dieser Fachtagung eröffneten der Landesbranddirektor, Dr. Peter Ladewig, der Vorsitzende des LFV Ingolf Hirsch und der Stellv. Landrat, Herr Twartz, den neuen Ausstellungsteil „Vom Feuerlösch- zum Brandschutzwesen“ (1933 – 1950) im Landesfeuerwehrmuseum, der die Zeit des schweren Anfangs in dieser Zeit nur erahnen lässt. Ich bedanke mich auf diesem Wege bei denjenigen die sich bei Vorbereitung und Durchführung der Fachtagung aktiv eingebracht haben und bei den Feuerwehrhistorikern und –sammler, die mit Ausstellungen wie es nach 1945 war und angefangen hat die Fachtagung hautnah und zum Anfassen unterstützten. Es ist gut, dass wir uns regelmäßig als Feuerwehrhistoriker zum Erfahrungsaustausch treffen und Ausstellungen zur Geschichte der Feuerwehren in Sachsen-Anhalt gemeinsam gestalten, denn nur so war Stendal ein absoluter Highlight und eine bleibende Erinnerung.